Nicht nur leere Phrase

29 Mrz

Unglaublich, aber tatsächlich wahr: Ich habe es geschafft, nicht nur einen, sondern mit diesem Post gleich zwei Artikel in kürzester Zeit zu veröffentlichen. Prognose: vorsichtig optimistisch.

Einen kurzen Nachtrag zu meinem letzten Artikel. So erschreckend der Anschlag auf einen Bus unweit der Central Bus Station in Jerusalem letzte Woche auch war, und so bedrückend er auf die Stimmung nicht nur bei meinen Mitbewohnern und mir, sondern auch bei meinen Arbeitskollegen wirkte, der Alltag ist mittlerweile wieder eingekehrt. Die Busse sind voll wie eh und je, und die Horrorszenarien einer dritten Intifada, die kurz nach dem Bekanntwerden des Anschlages bei mir im Altenheim heraufbeschworen wurden, hat man zurück in den Keller gesperrt. Life’s going on in Jerusalem!

Ich möchte Euch, meine werten Leser, noch auf zwei Links hinweisen, die mich und meine Arbeit hier in Jerusalem betreffen (zugegeben ein klein wenig narzistisch!).

Hier findet ihr einen Artikel über den „Bengel von Herrn Goldschmidt“, der am 10. März in der ZEIT veröffentlicht wurde.

Außerdem möchte ich noch auf einen von mir geschriebenen Artikel in der vierteljährig erscheinenden ASF-Zeitschrift zeichen hinweisen. Thema ist der auslaufende Zivildienst und seine Konsequenzen.

Zum Abschluß noch ein paar Eindrücke aus der Jerusalemer Altstadt. Bilder aus einer atmospährisch überladenen armenischen Taverne, und von einer Straßen Band, die wirklich zum Tanzen eingeladen hat.


Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ich hoffe, dass ich es am Sonntag schaffe von meinem Wochenendtrip nach Be’er Sheva und Elat zu berichten.

Laila tov lekulam!

Gute nacht

Advertisements

Aus aktuellem Anlass

23 Mrz

Es ist tragisch, dass erst etwas passieren musste, dass ich wieder die Verantwortung dafür verspüre, euch, die ihr zu Hause in Deutschland seid, von meinem Leben, meinen Erfahrungen hier in Israel, in Jerusalem zu berichten.

Die meisten werden es sicher bereits gehört haben. Heute detonierte gegen drei Uhr an der Central Bus Station in Jerusalem ein Sprengsatz, der 30 Menschen teils schwer verletzte und einen tötete. Die Explosion ereignete sich an eine Haltestelle, an der auch ich mindestens einmal die Woche umsteige, und zwar in gerade jene Nummer 74, die heute gerade zum Zeitpunkt der Detonation an dieser Haltestelle stand. Das mag vorrangig von psychologischer Bedeutung sein, also per se keine explizite Exposition in Bezug auf eine Gefährdung darstellen, dennoch lässt sich diese Bedeutung für mich nicht verneinen. Das Gedankenspiel stelle ich tatsächlich an.

In seiner Tragik, und hoffentlich seiner Einzigartigkeit, stellt dieser Tag einen gewissen Bruch in meinem Bewusstsein, was es nun doch tatsächlich heißt, hier in Israel zu sein, dar. Auch wenn es bisher immer mal wieder zu „medienpräsenten Ereignissen“ kam, konnte man aufgrund ihrer geographischen Entfernung (Beer Sheva, Westbank) noch immer eine gewisse mentale Distanzierung zu den Geschehnissen herstellen. Dieser Schutzmechanismus funktionierte heute nicht.

Zwei Dinge sind nun noch zu sagen – ein politisches Statement bzw. eine Einschätzung will ich in den nächsten Tagen nachschieben.

Ich werde euch weiterhin über die Geschehnisse rund um den heutigen Tag informieren. Außerdem verpsreche ich in Zukunft wieder häufiger zu posten.

Einen guten Abend!

Für weitere Infos empfehle ich: HaAretz Online (Eng.)

Ein wahnsinnig schöner Tag…

7 Nov

Wer glaubt, dass eine Reise nach Israel ein Abenteuer ist, hat sicher nicht ganz unrecht. Was aber ist aber dagegen ein Trip in die Westbank?

Wie auch immer, ich habe nun also auch meinen ersten Trip in die besetzten Gebiete der Westbank, genauer gesagt nach Jericho unternommen. Wer mir nun aufgrund seiner durch die deutschen Medien geprägten Vorstellung Wahnsinn vorwerfen will, sollte

a) mir erst einmal zuhören und

b) schnellst möglich hierher kommen, um es mir nachzutun.

 

Aber der Reihe nach:

Nachdem wir, 5 ASF-Freiwillige, zunächst mit einem arabischen Bus Jerusalem in Richtung Osten verlassen hatten, trafen wir wahrscheinlich mehr oder weniger zufällig einen sehr netten, arabischen Taxi-Fahrer, der uns den ganzen Tag begleiten sollte. Zu einem Spottpreis (ich habe für 5 nicht allzu kurze Taxifahrten 8 € gezahlt!!!) fuhr er uns erst zum Berg Djebel Qarantal, auch Berg der Versuchung genannt. Die Bibelfesten unter euch wissen sicher, um welchen Berg es sich handelt. Allen anderen eine kurze Erklärung: Hierher soll sich Jesus nach seiner Taufe im Jordan zurückgezogen und 40 Tage gefastet haben. Seinen Namen hat der Berg, weil der Teufel hier versucht haben soll, Jesus mit Versprechungen zu verführen, um ihn von Gott abzubringen. An dem Berg an sich ist nichts besonderes zu entdecken, jedoch befindet sich an der Steilwand ein in den Felsen hinein geschlagenes griechisch-orthodoxes Kloster, das nur mit einer Seilbahn (österreichische Ingenieurskunst!) erreichbar ist. Neben der kleinen Kapelle und den urigen Einsiedlermönchen (wie das funktioniert bei den ganzen Touristen und Pilgern, kann ich euch auch nicht erklären 😉 ) hat man dort oben einen wunderbaren Ausblick bis hin zum Toten Meer.

Danach ging es mit dem Taxi weiter in die Innenstadt von Jericho, sehr atmosphärisch, aber nicht sonderlich reich an „berühmten Sehenswürdigkeiten“. Mal abgesehen davon, dass Jericho von sich behauptet, die älteste und  tiefst gelegene Stadt der Welt zu sein. Letzteres ist vollkommen richtig, eine Stadtmauer, das Charakteristikum einer Stadt, besteht allerdings an hiesigen Maßstäben gemessen noch nicht allzu lang. Jedenfalls schlenderten wir lediglich ein wenig herum und ruhten uns auf freundliche Einladung eines Gläubigen für einen Moment in der dortigen Moschee aus.

Mit dem Taxi ging es dann weiter nach Nabi Musa, wo der muslimischen Tradition zufolge sich das Grab Moses befinden soll. Heutzutage der populärste Wallfahrtsort der palästinensischen Gebiete. Jedoch wurde mit von einem der Bewohner in Beit Bart (das Altenheim, in dem ich arbeite) erklärt, dass das ja gar nicht stimmen könne. Mose sei ja schließlich bereits vor der Überquerung des Jordans gestorben, und zwar „an einem unbekannten Ort“. Wo er recht hat, hat er recht… Nabi Musa bleibt aber dennoch ein wunderbarer Ort, eine Karawanserei mitten in der Wüste.

Schlussendlich ging es noch ins Wadi Qilt, ein Wüstental. Auch hier findet man neben einem fantastischen Ausblick über die Wüste das griechisch-orthodoxe Kloster Sankt Georg. Keine Worte, schaut euch nur das Bild an.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ein unglaublicher Tag…

Besuch von Nah und Fern und eine Herausforderung für meine „Unabhängigkeit“

24 Okt

Es ist ja nicht so, dass mir meine Arbeit hier keinen Spaß macht, ganz im Gegenteil, aber trotzdem kann ich nicht verneinen, dass ich doch immer auch dem Wochenende entgegen fiebere. Und wenn dann auch noch Mitfreiwillige aus beinahe dem ganzen Land ins schöne Guatemala (unsere WG!) kommen, um hier bei uns ein paar schöne Tage zu verbringen, ist das doch auch wohl jedem klar, oder?

Ach, da fällt mir ein Bonmot ein, das dieses Wochenende geprägt wurde: „In der Zuns-WG in Tel Aviv wird man zur Kakerlake, in Guatemala zum Schmetterling.“ Einfach wunderbar!

Doch nach einer gediegenen Party mit Arak und Wein auf unserem Dach am Freitag und der gestrigen Quer-Feld-ein-Wanderung nach Ein Kerem, dem angeblichen Geburtsort von Johannes dem Teufer, ist jetzt schon wieder Ende mit Wochenende. Schade…

Hier aber noch ein Paar Eindrücke von unserer kleinen Wanderung nach Ein Karem und im Jerusalem Forest:

Diese Diashow benötigt JavaScript.



Meine Abneigung gegenüber Friseuren ist ja weithin bekannt. Da ich aber nunmal hier nicht dem Jerusalem-Syndrom verfallen will, sprich jedenfalls halbwegs ordentlich aussehen muss, habe ich mir gestern zum ersten Mal in meinem Leben selbst die Haare geschnitten. Aber bitte nicht erschrecken, es ist mir ganz gut gelungen. Fotos folgen, wenn ich den Akku meiner DigiCam geladen habe.

 

Geburtstag in Jeruschalaim

17 Okt

Und ganz plötzlich steht die 2 vorne an. Verrückt!

Vielen Dank an alle Gratulanten von Nah und Fern, Danke für den netten Besuch und für die beiden wunderbaren Kuchen (ein spezieller Dank an Esther und Joscha!!!).

Trotz der Tatsache, dass ich heute arbeiten musste, war es ein schöner Tag. Danke!

Hier noch ein paar Bilder von Joschas beeindruckendem Kuchen


Diese Diashow benötigt JavaScript.

Meine WG …

16 Okt

Hier ein paar Bilder von meiner wunderbaren WG mit einigen Bewohnern…

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Der Alltag beginnt

16 Okt

Zugegebenerweise ist seit meinem letzten Artikel wieder eine ganze Weile vergangen. Das liegt hauptsächlich daran, dass ich mittlerweile umgezogen bin und es in meiner WG-Wohnung bis vor wenigen Tagen noch keinen Zugang zum Internet gab. Doch jetzt werde ich euch wieder öfter mit Artikeln und Bildern versorgen. Versprochen!

Umso mehr gibt es jetzt zu erzählen:

Ich wohne jetzt also seit zwei Wochen mit vier anderen ASF-Freiwilligen in einer gemütlichen Wohnung im Süd-Westen von Jerusalem in Kiriyat Hayovel. Das Viertel ist keine Schönheit und auch nicht sonderlich zentral gelegen, dafür ist unsere WG umso gediegener und die Busanbindung ist auch in Ordnung. Auf Hebräisch: Hakol beseder!

Außerdem habe ich nach den drei Wochen mit Seminaren und Sprachkurs endlich angefangen zu arbeiten. In beiden Stellen bin ich sehr nett aufgenommen worden und bin trotz frühen Aufstehens hochmotiviert.

Im Elternheim Beit Bart, in dem ich montagnachmittags, sowie dienstags und mittwochs ganztägig arbeite, bin ich hauptsächlich dafür da, bei den Bewohnern Besuche zu machen und nachmittags bei einer Kaffee-Runde auszuhelfen. Keine sonderlich schwere Arbeit (auch wenn ich nach einem Arbeitstag von 9 bis 18 Uhr immer recht geschafft bin), dafür treffe ich hier sehr interessante Menschen, die sich über meinen Besuch richtig freuen. Für mich keine Selbstverständlichkeit, bedenkt man, dass es sich bei den Bewohnern größtenteils um ehemalige europäische (insbesondere holländische und deutsche) Juden handelt, sie also vor den Nazis fliehen konnten, aber oft Familienangehörige durch den Holocaust verloren haben. Ein Mann, den ich besuche, erzählte mir, dass er Deutschland rechtzeitig verlassen konnte, seine Eltern aber in Auschwitz  vergast worden seien. Danach habe er vierzig Jahre kein Wort Deutsch gesprochen. Und heute besuche ich ihn, und er gibt mir Nachhilfe in Hebräisch…

Meine Arbeit in den Central Archives for the History of the Jewish Poeple ist ebenfalls sehr interessant und abwechslungsreich. In meinen Aufgabenbereich fällt momentan eine gute Mischung aus interessanten Projekten und Dingen, die eben getan werden müssen. Neulich hatte ich beispielweise die Aufgabe, Postkarten aus dem KZ Sachsenhausen zu fotopraphieren und am PC zu bearbeiten. Es war schon heftig zu lesen, wie der Internierte jedes Mal um noch dickere Socken bittet, oder wie in der letzten Postkarte geschrieben gestand, dass all seine Liebe, Freude und Hoffnung bei seiner Mutter (der Adressatin) liege.

Neben der Arbeit erkunden ich natürlich fleißig Jerusalem (gerade eben erst heute Nacht ;)) und genieße jeden Sonnenstrahlen, den ich abbekommen kann, wohl wissend, wie kalt es bei euch in Deutschland bereits ist. Auch wenn sich der Herbst hier noch ein bisschen Zeit lässt, wird es hier in Jerusalem, sobald es abends dunkel wird, doch recht kühl. Ja, trotz der alltäglichen Hitze habe ich mich erkältet…

Verschnupfte Grüße aus der Hitze in die Kälte! 😉